Lorient
5. November 2016

DER FAIR TRADE AUFGEBUNDENE BÄR

FAIR TRADE – WAS IST DAS IN UNSEREN AUGEN?
Es muss jetzt einfach mal raus! Fair Trade ist eine Kennzeichnug, es gibt verschiedenste Kennzeichnungsanbieter, die einem Produkt einen Fair Trade Stempel aufsetzen. Du musst als Produzent gewisse Anforderungen erfüllen und bekommst den “ach so begehrten” Stempel. Aber was heißt das eigentlich genau?

Was mir als allererstes dazu einfällt ist die Körpersprache einer Geschäftsinhaberin, die damit wirbt, dass Artikel die sie anbietet unter “fairen” Verhältnissen produziert werden. Dass sie selbst in die Drittländer fliegt und dann Bestellungen tätigt bei lauter kleinen Kooperativen, die sich wirklich um die ArbeiterInnen kümmern. Sie versichern, bessere Arbeitsverhältnisse schaffen u.s.w.

DER NERVÖS VERIRRTE BLICK
Und nun zur Körpersprache: während sie mir dies erzählte, schaute sie mir nicht in die Augen, sondern der Blick war zum Boden gerichtet und die Augenpaare wanderten hektisch von links nach rechts.
Dies fiel mir aber erst Wochen danach auf, als ich mir das Gespräch durch den Kopf gehen ließ.

UND NUN ZU DEM WAHNSINN, DEN WIR UNS ANTUN!
Was machen nun wir selbst, das Team von L´Orient? Auch wir stellen auf unserer Seite Behauptungen auf, die vielleicht so manchen ins Grübeln bringen! So sagen wir beispielsweise, das wir selber produzieren. Was heißt das nun genau? Nein, wir haben keine Werkstatt hinterm Geschäft. Wir produzieren unsere Ware in Marokko. Das heißt nun aber auch nicht, dass wir einige Monate dort verbringen und uns höchstpersönlich zur Werkbank setzen, um dann den Rest des Jahres unsere Produkte in Wien zu verkaufen. Sondern wir machen uns etwa 4 x im Jahr auf den Weg nach Marokko und treffen dort unsere Handwerker.

Diese sind Spezialisten in ihrer Branche und wir sorgen dafür, dass sie mit dem Rohmaterial versorgt werden, das sie brauchen um von uns persönlich ausgewählte oder designte Waren zu produzieren. Jeden Arbeitsschritt überprüfen wir in dieser Zeit, damit unsere Kunden auch bekommen, was wir ihnen versprechen. Wir zahlen unmittelbar, das heißt bei uns warten die Handwerker nicht eine Ewigkeit auf Bezahlung. Wir handeln unsere Handwerker nicht hinunter. Das heißt, wenn uns die Arbeiter oder ArbeiterInnen ihren Preis nennen, und sich dieser in einer ortsüblichen Norm befindet, dann zahlen wir diesen auch. Und wir haben zu unseren Handwerkern ein freundschaftliches Verhältnis.

Und dies unterscheidet uns von vielen anderen Händlern, die ihre Ware beim Großhändler in Europa kaufen, der sie wiederrum beim Großhändler in Marokko kauft, der sie bei den kleinen Händlern kauft, die sie bei den Handwerkern in Auftrag geben. Diese wiederrum andere Handwerker beauftragen um die Mengen der Aufträge in kurzer Zeit produzieren zu können.

WAS WIR NICHT KÖNNEN
Ein Unternehmen in Marokko gründen, das ein Heilsversprechen gibt.

WAS WIR KÖNNEN
Nachhaltigkeit, im Sinne immer wiederkehrender Aufträge, zu gewährleisten. Unsere Arbeiter freuen sich darauf, wenn wir wieder und wieder kommen. Und wir nicht an der Preisschraube drehen und sie nicht in die Zahlwarteschleife stecken.

Unten abgebildet seht ihr Mustapha der sich in einer Werkstatt zur Herstellung von Lampen befindet. Die Stadt Fes hat den Arbeitern der Altstadt ein Gebäude zur Verfügung gestellt, indem sie zu geringen Kosten lichtdurchflutete Räumlichkeiten nutzen können. Dies um die Altstadt vor dem Verfall retten zu können. Denn die einstigen Werkstätten dort müssen renoviert werden und können danach nicht mehr im gleichen Ausmaß genutzt werden. Die Arbeitsbedingungen haben sich gegenüber den einsturzgefährdeten barrackenähnlichen Räumen verbessert. Verantwortlich zeigt sich die Regierung. NICHT eine Kooperative.

lampen_werkstatt

DIE KOOPERATIVE – EIN MANI(E)FEST
Es gibt in Marokko tausende Kooperativen und an einer Hand kann man ihre Seriösität abzählen. Die Kooperative hat sich einen Namen als faires Arbeitsumfeld gemacht. Die Versprechen sind mannigfaltig, Lug und Trug ein Verkaufs- und Kassenschlager. Wir sagen das mit einer unverfrorenen Sicherheit, weil es den Tatsachen entspricht. Das heißt nicht, dass die Kooperativen nichts bieten. Sie bieten beispielsweise Arbeit. Sie sind also ein Arbeitgeber. Im besten Fall. Kooperativen werden oft vom EU-Ausland gefördert. Und in den allermeisten Fällen sieht diese Förderung in etwa aus:

DER ALLERÄLTESTE IBM COMPUTER DER WELT
Den findest du ganz bestimmt in einer Kooperative in Marokko, gespendet von einem z.B.: österreichischen Unternehmen, welches ihre heillos veralteten PC´s kostengünstig loswerden wollte und dann auch noch einen Werbeeffekt für sich erzielt.

Oder: Geld! Geld für den Ideenstifter der Kooperative. Schön für ihn und seine neue Villa.

Oder es gibt neben den Arbeitsräumlichkeiten noch einen zusätzlichen kleinen Raum mit Schulbänken aus dem vorvorigen Jahrhundert und eine Tafel. Hier können die ArbeiterInnen sich alphabetisieren lassen, wenn sie dazu kommen. Denn eigentlich möchten sie ja Geld verdienen und deshalb auch arbeiten. Wir würden sagen, all das, was die Kooperativen als Sonder -und Zusatzleistungen zur Schau stellen, hätte sich in jedem anderen Unternehmen in dieser Zeit genau so entwickelt.

Unten abgebildet seht ihr einen ganz normalen Arbeitsplatz eines Nähers in Marokko. Das Foto stammt nicht aus einer Kooperative. Es wurde bei einem Kaftanschneider gemacht, der seit einem Jahrzehnt den beiden Männern einen Job gibt. Die Arbeiter werden wertgeschätzt und verrichten ihre Tätigkeit mit einer betulichen Genauigkeit. Sie erhalten so ihre Familie.

schneider

Unten abgebildet seht ihr eine Arbeiterin einer marokkanischen Kooperative. Sie presst Arganöl auf traditionelle Weise, ihr Arbeitsplatz ist gleich geblieben. Sie bekommt keinen Dirham mehr für ihre Arbeit als sonst. Das Argument, dass sie nicht mehr von ihrem Mann abhängig ist, ist haarsträubend. Oder denkt ihr, dass die Kooperative es schafft eine Ehegleichgewicht herzustellen? Diese Arbeit hat sie immer verrichtet, auch wenn sie nicht in einer Kooperative war. Man könnte sogar sagen, dass die Kooperative hier versucht, vom verklärten Bild “der sich ihrer Arbeit hingebenden  Frau” zu profitieren.

UND WIE IST ES WO ANDERS AUF DER WELT
Ein rennomierter Kaffeehersteller hat vor wenigen Jahren folgendes gesagt: Mein Kaffee ist nicht Fairtrade. Ich kenne meine Bohnen und ihre Hersteller ganz genau. Ich zahle einen guten Preis für diese herrlichen Bohnen und was besseres kann dem Unternehmen und ihren Arbeitern nicht passieren. Und er sagte: “Ich komme gar nicht auf die Idee das ganze “Fairtrade Rundherum” mitzufinanzieren. Was für eine Aussage! Ja das Drumherum das kostet nämlich und ist ein eigener Geschäftzweig, der boomt und boomt. Übrigens die Bohne des Kaffeeherstellers kostet mehr als eine Fairtradebohne.

Und nun zu etwas ganz anderem. Fairtrade beginnt damit, dass der Kunde oder die Kundin sich bewusst ist, dass seine/ihre Fairtradeeinstellung in Österreich beginnt. Nämlich dort wo er oder sie einkauft. Wenn ein Kunde zu mir ins Geschäft kommt und eine Lampe die 240 € kostet um 180 € haben will, dann hat diese Form von Druck über kurz oder lang eine Auswirkung. Nehmen sie sich Zeit für eine bewußtes Leben. Genießen sie
den Augenblick und machen sie sich nichts vor.

Wir freuen uns über zahlreiche Kunden und darüber, dass sie sich Gedanken hinter den Gedanken machen:)

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